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Wieso wird die Lärmbelastung nicht gemessen sondern berechnet?

Die Beurteilung von Lärmbelastungen in Folge von bestehenden oder geplanten Straßen erfolgt grundsätzlich auf der Basis von Berechnungen mit Hilfe der Ermittlung des sogenannten Beurteilungspegels. Eine Beurteilung auf der Basis eines Messverfahrens ist generell rechtlich nicht zulässig.

Die Berechnungsgrundlage bilden die Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen (RLS-90). Die Berechnungen erfolgen EDV-gestützt mit Hilfe eines Rechenmodells. Das für den Verkehrslärm auf öffentlichen Straßen anzuwendende Rechen- bzw. Bewertungsverfahren stellt einen über eine mittlere Stunde bzw. das gesamte Jahr gemittelten Zustand dar und berücksichtigt dabei keine außergewöhnlichen Einzelereignisse wie z. B. übermäßig laute Musik aus Autoradios, klappernde Ladungen oder das Klappern beim Überfahren loser Schachtdeckel, etc. Die gesetzlichen Vorgaben für die Bewertung des Verkehrslärms an öffentlichen Straßen lassen keine andere Betrachtung als die für einen Jahresmittelwert (sogenannter Beurteilungspegel) zu. Der Beurteilungspegel von Verkehrsgeräuschen wird getrennt für Tag (6.00 bis 22.00 Uhr) und Nacht (22.00 bis 6.00 Uhr) berechnet.

Die berechneten Beurteilungspegel gelten für leichten Wind von der Straße zum Immissionsort (Windgeschwindigkeit etwa 3 m/s) und bezogen auf die Lärmausbreitung ungünstige Temperaturbedingungen (Temperaturinversion), welche beide die Schallausbreitung fördern. Bei anderen Witterungsverhältnissen können deutlich niedrigere Schallpegel auftreten.

Gegen ein Messverfahren spricht, dass Überprüfungen derartiger Ergebnisse schwer nachkontrollierbar, nur über einen sehr langen Zeitraum ermittelbar und sehr stark von Wind- und Temperatureinflüssen sowie Verkehrsbelastungsschwankungen abhängig sind. Die einzelnen Parameter des Rechenmodells lassen sich nicht vor Ort durch einzelne Messungen überprüfen, da deren Ergebnisse nur eine Momentaufnahme darstellen und sich die Randbedingungen ständig ändern können. Ferner fehlt bei erst geplanten Vorhaben die Möglichkeit der Messung. Das Rechenmodell stellt eine gute Möglichkeit für die Gleichbehandlung aller Verkehrslärmsituationen dar und ist für die Betroffenen in der überwiegenden Anzahl der Fälle günstiger.

Einen guten Überblick über rechtliche Grundlagen, Methoden der Lärmermittlung und deren Bewertung bietet die vom Ministerium für Verkehr und Infrastruktur veröffentlichte Städtebauliche Lärmfibel unter:

http://www.staedtebauliche-laermfibel.de/?p=55 

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